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Ein Jahr arabischer Frühling

Aufbruch ins Ungewisse?

Prof. Dr. Mathias Rohe
Die Karl Bröger Gesellschaft hatte geladen und rund 100 erwartungsvolle Gäste folgten am 13. Januar dieser Aufforderung in das Nürnberger Karl-Bröger-Zentrum. Dort sprachen am ersten Jahrestag des tunesischen Despotensturzes mit dem Islamwissenschaftler Prof. Mathias Rohe und dem Staatsminister a.D. Günter Gloser zwei ausgewiesene Kenner der arabischen Region über die momentanen Machtverhältnisse, demokratische Reformen und die Chancen auf friedliche Entwicklungen.
Revolutionsprozesse unbekannten Ausmaßes
Als der vom eigenen Volk ungeliebte tunesische Machthaber Ben Ali gestürzt wurde, kam dies für die meisten Menschen im Westen unerwartet. Das damit ausgelöste Revolutionsfeuer verbreitete sich rasant über weite Teile der arabischen Welt und führte grenzüberschreitend zu Umstürzen und Reformen. Wie Staatsminister a.D. Günter Gloser betonte, lassen sich die Entwicklungen in den einzelnen Ländern allerdings nicht miteinander vergleichen. Dahingehend ist es schwierig, auf Fragen nach endgültigen Ergebnissen des "arabischen Frühlings" schon jetzt zufrieden stellende Antworten zu geben.     
Veranstaltung "Ein Jahr arabischer Frühling"
Rund 100 erwartungsvolle Gäste folgten am 13. Januar der Einladung der Karl Bröger-Gesellschaft in das Nürnberger Karl-Bröger-Zentrum
Auf der Suche nach Antworten
Professor Mathias Rohe studierte in Damaskus und pflegt heute enge Kontakte in die arabische Welt. Während seiner hochinteressanten Ausführungen fokussierte er den "Einzelnen" und referierte über die wesentlichen Grundrechte des menschlichen Daseins: "Leben, Brot und Würde". Der Islamwissenschaftler kritisierte offen die besorgniserregenden Zustände in den betroffenen Ländern, in denen die "Kleinen" meist nicht über die Mittel verfügen, sich ausreichend zu ernähren. Die Hungernden machen für den Mißstand den "Westen" und dessen nicht eingehaltene "Versprechungen verantwortlich". Da es der "erkämpften Liberalität" somit schlichtweg an Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit fehlt, gewinnen konservative Strukturen im Gegenzug wieder an Bedeutung. 
Chancen auf demokratische Reformen?
Führt der arabische Frühling zu friedlichen und demokratischen Reformen, oder handelt es sich um einen zeitlich begrenzten Umbruch ohne Zukunft? Diese Fragen lassen sich auch nach dem Fachvortrag nicht beantworten. Allerdings betonten beide Referenten, dass es "Kleinigkeiten sind, die zuversichtlich stimmen sollten". So sind in Tunesien neue Wahlen geplant oder die gesellschaftliche Rolle der Frau wurde verbessert. Überwiegt das Positive oder das Negative? Ein „Aufbruch ins Ungewisse“ eben.
Veranstaltung "Ein Jahr arabischer Frühling"
Ruth Zadek, Vorsitzende der Karl Bröger Gesellschaft, lud zur Veranstaltung ein, eingerahmt von Günter Gloser auf der linken Seite und Mathias Rohe auf der rechten Seite.
Offizielle Homepage Karl Bröger Gesellschaft
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